Eine eigene Domainendung für jedermann? Ab Januar 2012 kommen die neuen generischen Top-Level-Domains (gTLD)

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Nach langwierigen Diskussionen sollen sie ab Januar 2012 doch eingeführt werden, die so genannten „New Generic Top Level Domains“ (gTLD). Ich hatte vor kurzem das Vergnügen, mich durch das 350 Seiten umfassende Regelwerk “Applicant Guidebook” lesen zu dürfen und bin sehr gespannt, ob und was sich durch die Einführung ändern wird.

Nach Second-Level jetzt auch Top-Level
Bisher war es Privatpersonen und Unternehmen nur möglich, so genannte Second-Level-Domains zu registrieren. Unter Second-Level versteht man dabei die Zeichenfolge vor der Domainendung. D.h. am Beispiel von „langwasser.de“ ist „langwasser“ die Second-Level-Domain und „.de“ die zugehörige Top-Level-Domain (TLD) oder auch Domainendung. Von letztgenannten gibt es bisher rund 230, wobei mit einer Anzahl von rund 200 der Großteil so genannte Country-Code-TLDs sind wie „.de“ für Deutschland. Daneben gibt es noch 22 generische TLDs, von denen .com wohl die bekannteste sein dürfte.

War die Entscheidung und Einführung neuer gTLDs bisher primär Sache der ICANN (Internet Corporation for Assigned Names and Numbers), soll ab 12. Januar 2012 auch für Unternehmen, Organisationen oder Institutionen die Möglichkeit bestehen, eine „eigene“ gTLD zu beantragen. Mittelfristig geht man bei der ICANN von einigen hundert neuen Domainendungen aus, in der ersten Runde sollen allerdings maximal rund 900 neue gTLDs zugeteilt werden.

Privatpersonen und kleine Unternehmen bleiben außen vor
Wer sich als Privatperson jetzt schon auf eine eigene Domainendung a la .meier gefreut hat, wird leider enttäuscht: Privatpersonen können keinen Antrag stellen. Aber auch für kleinere Firmen dürfte der Weg zu einer eigenen gTLD wohl verschlossen bleiben. Neben der durchaus stattlichen Antragsgebühr von US$185.000 muss der Antragsteller auch einen rund 50 Punkte umfassenden Antragskatalog durcharbeiten und die organisatorischen, technischen und finanziellen Voraussetzungen zum dauerhaften Betrieb einer gTLD nachweisen. Insgesamt gehen Experten von einer Anlaufinvestion in Höhe von rund US$400.000 bis zu US$1.000.000 pro gTLD aus. Dazu kommt, dass man bei erfolgreichem Antrag auch die Verpflichtungen eines Registrars zur Verwaltung der neuen gTLD übernimmt. Neben jährlichen Lizenzkosten in Höhe von US$75.000 US$25.000, die an die ICANN zu zahlen sind, werden auch mindestens einige zehntausend Euro in die technische Infrastruktur fließen müssen.

Eine gTLD-Schwemme bleibt wohl aus
Letztlich wird es nach meiner Einschätzung keine Schwemme neuer gTLDs geben. Primär werden große Firmen wie Coca Cola oder BMW wohl versuchen, ihren gTLD-Claim mit .cola oder .bmw frühzeitig abzustecken. Auch einige deutsche Initiativen wie .berlin (erste Planungen seit 2004!) oder .versicherung haben bereits Interesse bekundet.

Werbedruck wird über den Erfolg entscheiden
Ob die neuen gTLDs der von ICANN und den beteiligten Institutionen erhoffte Erfolg werden, liegt wohl in den Händen der Inhaber der neuen Domainendungen: Wenn die gTLDs massiv beworben werden, könnte sich über die nächsten Jahre durchaus ein Umdenken bei Privatpersonen entwickeln. Wo .firma draufsteht, wird dann wohl auch FIRMA drin sein. Bei der bisherigen Systematik von durch (quasi jederman) frei registrierbaren Second-Level-Domains konnte man nicht immer sicher sein, auf einer offiziellen Unternehmenseite gelandet zu sein. Ohne entsprechenden Werbedruck und konsequenten Einsatz in der Unternehmenskommunikation, könnten die neuen gTLDs allerdings auch ein ähnliches Schattendasein fristen und eher zur Verwirrung der Nutzer beitragen, wie beispielsweise die einst hochgelobte „Endung für Europa“ .eu.

Internetadresse oder doch keine?
Online läuft ohnehin immer mehr Traffic direkt über Suchmaschinen und Social Media Kanäle, wo die Domain + deren Endung (zumindest für den menschlichen Nutzer) in meinen Augen eine in der Wichtigkeit abnehmende Rolle spielt. Offline, z.B. auf Plakaten, wird eine griffige Domain auch weiterhin eine wichtige Rolle spielen. Kaum eine Anzeige kommt heute ohne Domain aus. Konnte ich bisher als Privatperson eine URL wie firma.de auch ohne http:// oder www. leicht erkennen, wird dies zukünftig mit einer gTLD schwierig bis unmöglich werden. Wer kann bei tausend oder mehr neuen gTLDs dann noch sagen, ob es sich bei einem Plakataufdruck „namederkampagne.firma” um einen neuen Typografie-Stil oder doch eine Internetadresse handelt?

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