Community Management und die Fußball-Weltmeisterschaft (oder andere Großereignisse)

Vor einigen Tagen habe ich mir – nach dem beeindruckenden Auftaktsieg der deutschen Nationalmannschaft gegen Australien – morgens auf dem Weg zur Arbeit die Frage gestellt, ob (inter)nationale Großereignisse und die damit verbundenen Gefühle (positive wie negative) Auswirkungen auf das Community Management bzw. die Arbeit der Community Manager haben. Zumindest die Stimmung in der Bahn war an besagtem Morgen irgendwie positiver, die Menschen hatten ein gemeinsames Thema und damit verbundene positive Gefühle.

Via Twitter & Facebook habe ich die Frage dann auch direkt weitergegeben:

„Frage nach dem gestrigen WM-Sieg: Hat die positive Nationalstimmung Auswirkungen auf die Arbeit der Community Manager?“

Und die Reaktionen darauf:

„…ja, man nutzt das Ereignis sofort zum internen Community Bulding und Austausch per Dribbling durch alle Büros;)“

„Ja, hat sie, hatte sie vor vier Jahren auch eine Zeit lang!“

„Ja, weil die Community Manager heute alle übernächtigt und verkatert sind ;-)“

Im Hinterkopf hatte ich zwar weniger das Community Management-Team, aber um so interessanter… 😉 Letztlich haben Großereignisse also anscheinend Einfluss auf die Community und deren Mitglieder. Und, wie den Reaktionen zu entnehmen ist, auch auf das Community-Team als solches. Diese Vermutung  bestätigt auch eine Studie der Wirtschaftswissenschaftler vom Institut zur Zukunft der Arbeit (IZA) der Universität Bonn, die vor vier Jahren im Rahmen der Fußball-Weltmeisterschaft durchgeführt worden ist. Quintessenz der Studie:

Die Auswertung hat ergeben, dass die Einschätzung der wirtschaftlichen Lage nach den Erfolgen der Nationalmannschaft und der durch diese ausgelösten nationalen Begeisterung, signifikant besser war als 11 Tage vor Beginn der WM.

Daraus abgeleitet lautet mein Vorschlag:

Nationale bzw. internationale Großereignisse und die damit verbundenen Stimmungen sollten künftig bei der Planung von Aktivitäten im Community Management berücksichtigt werden.

Zwei Beispiele:

  • Kritische Veränderungen in einer Community, wie z.B. eine Überarbeitung des Regelwerks, sollten nach Möglichkeit in Zeiträumen nach positiven Ereignissen durchgeführt werden.
  • Im Umkehrschluss kann nach Großereignissen mit negativem Charakter eher mit Problemen gerechnet werden, sowohl durch die schlechtere Grundstimmung in der Community als auch ggf. in Verbindung mit einer schlechteren Stimmung im Team.

Erfahrungen aus der Praxis?
Wird dies in der Praxis bereits berücksichtigt? Ist eine Steuerung von Aktivitäten im Community Management anhand solcher Parameter überhaupt möglich?

Kommentare und Anmerkungen sind wie immer herzlich willkommen!

4 Gedanken zu „Community Management und die Fußball-Weltmeisterschaft (oder andere Großereignisse)“

  1. Hallo

    Aus meiner Erfahrung heraus zu urteilen kann ich dies nur unterschreiben. Ja solche Ereignisse wirken sich sehr auf eine Community aus. Gerade bei größeren Events wie WM/EM kommen die Feindseeligkeiten richtig zu tragen und auch die Stimmung steigt und sinkt von Spiel zu Spiel. Es bilden sich häufig Tippgemeinschaften und genau wie bei olympischen Events ergibt sich für den CM die Chance, diese Dinge zugunsten der Community zu nutzen. Beispielsweiße mit Tippspielen, Eigenen „Kopien“ bei Quasi-Olympisch bezüglich des besagten Projekts und auch weitere.

    Ein gutes Beispiel sind die Großen wie Twitter, auch dort wird der Hype genutzt und jeder 2. redet davon.

    Ja solche Events haben auswirkungen, aber meist nicht lange. Ca. 6 Wochen nach Ende ist dies meist auch wieder vorbei. Dennoch ermöglichen solche Events Chancen für das CM-Team.

  2. Hallo Daniel,

    ich denke, Deine abschließende Frage kann mit einem klaren Ja beantwortet werden.

    Aber nicht nur was das Timing von Maßnahmen wie in Deinen Beispielen in der Community angeht, besteht ein Einfluss. Wie Rouven andeutet, können Community Manager Großereignisse auch für Zwecke der Mitgliederbindung und der Stärkung des Gemeinschaftsgefühls nutzen. Die Leute haben ja schließlich ein Bedürfnis, darüber zu sprechen.

    Events wie die Fußball-WM dürften für die allermeisten Communities zwar themenfremd sein, aber in der Regel gibt es doch einen Offtopic- oder Fun-Bereich, in dem sich diese Gespräche dann abspielen. Unterstützt man das, dann stärkt man das Zuhause-Gefühl der Mitglieder.

    Mit entsprechender Planung können z.B. rechtzeitig Dinge wie (ich bleibe mal beim Beispiel WM) Tippspiele, Gewinnspiele, oder auch Foto-Wettbewerbe und ähnliches gelauncht werden. Ich bin mir sicher, dass sich in vielen themenbezogenen Communities etliche Mitglieder um diese Offtopic-Aktivitäten scharen und auch aktiv dazu beitragen. Geschickt eingesetzt, kann das die Beliebtheit einer Community steigern.

    Ein konkretes Beispiel, für das ich mir keine planerischen Meriten zugestehe, sondern das mir einfach so zugeflogen ist:

    In einem von mir betreuten Nischenthemen-Forum hatten wir ein Mitglied, das als erklärter Fußball-Narr eine vergangene Europameisterschaft Spieltag für Spieltag mit sehr ironischen, wunderbar geschriebenen und zum Brüllen komischen Kommentaren begleitete. Die Fußball-Interessierten unter den Mitglieder (incl. mir) fieberten jeden Abend nervös seiner „Berichterstattung“ entgegen, zu jedem solchen Beitrag gab es etliche begeisterte Kommentare, und trotz Misserfolg für die deutsche Mannschaft war die Stimmung durchweg ausgezeichnet. Fun fürs Forum, kräftiger Ego-Boost für das Mitglied, alle haben dadurch gewonnen – auch wenn’s offtopic war.

    Ja, irgendwann gehen diese Phasen dann wieder vorüber, es ist zu großen Teilen temporär, aber sie helfen doch bei den „soften“ Aspekten einer Community.

    Viele Grüße,
    Klaus

  3. Hallo,

    vor vier Jahren hat eine sehr mächtige Community-Managerin die überwältigende WM-Ablenkung genutzt, um eine Mehrwertsteuererhöhung um 3% durchzusetzen. Sind Politiker die besseren Community-Manager? 😉 Das Prinzip „Brot und Spiele“ funktioniert hier jedenfalls schon seit Jahrtausenden…
    VG
    Christian

  4. Und heute? Der Tag nach der WM-Niederlage gegen Spanien? – Die Community Manager als Seelentröster und Motivatoren für das Spiel um Platz 3. Die Community kann sich ihren Frust, ihre Sorgen und Nöte von der Seele schreiben und mit anderen darüber diskutieren. Auch so lernt man neue Freunde und Feinde kennen.

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